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Niederösterreich: Obersiebenbrunn

Niederösterreich

Der barocke Jagdgarten von Schloss Obersiebenbrunn

 

Die im östlichen Marchfeld, unweit von Schloßhof und Niederweiden gelegene Garten von Obersiebenbrunn ist die wohl am wenigsten bekannte Gartenschöpfung Prinz Eugens von Savoyen in Österreich. Die etwa 46 Hektar große Parkanlage ist jedoch eine der wenigen noch erhaltenen barocken Jagdgärten Österreichs, dessen Höhepunkt der Jagdpavillon bildet.

Kaiser Karl VI. hatte Prinz Eugen die Herrschaft Obersiebenbrunn 1725 zum Geschenk gemacht, auch als Ausgleich für den Verlust der Statthalterschaft in den österreichischen Niederlanden, die er im Jahr zuvor niederlegen musste.

 

Die Konzeption der Gesamtanlage dürfte weitgehend auf Johann Lucas von Hildebrandt zurückgehen; ob auch Dominique Girard oder Anton Zinner daran beteiligt waren bleibt unklar. Der Garten ist als reiner Jagdgarten auf querrechteckigem Grundriss mit exedrenartigem Abschluss der zentralen Achse konzipiert. Diese Achse wird durch eine das Schloss mit dem Gartenpavillon (1728) verbindende Hauptallee gebildet. Der leicht erhöht liegende querovale und mit Mansarddach bekrönte Hildebrandtsche Pavillon liegt im Zentrum eines achtstrahligen aus Diagonalalleen gebildeten Jagdsterns. Er stellt  bis heute den architektonischen Höhenpunkt des Gartens dar, wie auch durch die reiche, Jonas Drentwett zugeschriebene freskale Ausstattung des Innenraums mit Jagdszenen und Grotesken zeigt. 

Der restliche Parkbereich wird durch Orthogonal- und Diagonalalleen strukturiert. Der diagonal durch die Anlage führende Stempfelbach wurde in zentralen Bereich des Gartens in ein orthogonales Kanalsystem gefasst, das ursprünglich zwei große querechteckige Teiche speiste, die heute weitgehend trockenliegen.

Wenngleich der Park heute mit Ausnahme des Pavillons einen auf den ersten Blick unscheinbaren und wenig gestalteten Eindruck vermittelt, stellt er in seiner weitgehend erhaltenen  Struktur einen der wohl am besten erhaltenen barocken Jagdgarten Österreichs dar. Das ebenfalls weitgehende erhaltene Kanal- und Teichsystem stellt darüber hinaus eine Seltenheit bei österreichischen Jagdgärten dar, dessen Wiederherstellung in Zuge der 2004 begonnenen Revitalisierungsbemühungen bewerkstelligt werden soll.

 

Die Gartenanlage befindet sich seit 1999 im Eigentum der Marktgemeinde Obersiebenbrunn, ein Teil ist an einen Reitverein verpachtet. Das Schloss mit seinem unmittelbaren Umfeld steht seit 2001 in Eigentum der Koptisch Orthodoxen Kirche.

 

Text: © Thomas Baumgartner

Alle Photos dieser Seite: © Christian Hlavac

 

 

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